Kontrolle im Fairen Handel 2017-11-06T13:06:04+00:00

Kontrolle im Fairen Handel

Um zu überprüfen, ob die Standards im Fairen Handel eingehalten werden, sind unterschiedliche Kontrollsysteme entstanden: Zum einen Zertifizierungssysteme wie das von Fairtrade International und zum anderen Monitoringsysteme wie das der WFTO (World Fair Trade Organization).

Beim Zertifizierungssystem von Fairtrade International handelt es sich um eine Produktzertifizierung, das heißt es geht um die Frage, ob ein Produkt fair gehandelt wurde. Beim Monitoring der WFTO steht hingegen die Organisation im Fokus, das heißt es geht um die Frage, ob eine Organisation als Ganzes fair handelt. Das Monitoring-System der WFTO wurde verbessert und erneuert und heißt seit 2013 WFTO-Garantiesystem.

Das Zertifizierungssystem von Fairtrade International

Die Zertifizierungsorganisation FLO-CERT GmbH kontrolliert und zertifiziert die Einhaltung der Fairtrade-Standards von Fairtrade International. Sie ist eine 100 Prozent unabhängige Tochterfirma von Fairtrade International und ISO-65 akkreditiert. Das bedeutet, dass die FLO-CERT GmbH ihre eigenen Richtlinien einhalten muss – vor allem muss sie unabhängig inspizieren und prüfen. Sie muss auch nachweisen können, dass alle Entscheidungen nachvollziehbar sind und dass die Kriterien, die sie verwendet, die Fairtrade-Standards widerspiegeln.

FLO-CERT ist zuständig für die Zertifizierung aller beteiligten Akteure entlang des Produktions- und Herstellungsprozesses eines Produktes. Die Produzenten werden von lokalen Inspekteuren in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Auch die Unternehmen in Deutschland, die fair gehandelte Produkte vertreiben, werden regelmäßig inspiziert.

Deutsche Firmen, natürlich auch die GEPA, müssen zusätzlich ihre Verkaufszahlen regelmäßig an FLO-CERT melden. Durch eine Kombination aus Überprüfung und Abgleichen von Berichten, stichprobenartigen Kontrollen bei den Händlern vor Ort sowie externen Wirtschaftsprüfungen wird sichergestellt, dass das, was als fair gehandeltes Produkt verkauft wird, tatsächlich fair gehandelt ist.

FLO-Cert überwacht den gesamten Warenfluss, von der Produktion bis zu dem Moment, an dem das Produkt mit dem Fairtrade-Siegel in Verkehr gebracht wird. Der Einzelhandel wie beispielsweise Weltläden, Supermärkte, Reformhäuser und Bioläden wird nicht kontrolliert oder inspiziert.

Neben FLO-CERT gibt es auch noch andere Zertifizierungsorganisationen wie beispielsweise Naturland, IMO oder Eco-Cert.

Das neue Garantiesystem der WFTO

Jetzt ist es da: Das Garantiesystem der World Fair Trade Organization (WFTO).
Das neue WFTO-Prüfsystem inklusive Label erleichtert es vor allem fairen Handwerksorganisationen, sich am Markt von konventionellen Mitbewerbern abzugrenzen. Die GEPA ist Gründungsmitglied der WFTO seit 1989 und hat sich natürlich auch der Prüfung nach dem neuen Garantiesystem unterzogen – und das mit Erfolg: Sie erhält das WFTO-Zertifikat, das sie als „Guaranteed Fair Trade Organisation“ bestätigt.

Fair nach innen und außen:

Das WFTO-Garantiesystem überprüft seine Mitglieder gemäß den zehn WFTO-Prinzipien für Fairen Handel. Dazu gehören unter anderem Transparenz und Verantwortlichkeit, Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten, Bildungs- und politische Arbeit. Die zehn Prinzipien gelten sowohl innerhalb der Organisation (z.B. bezüglich der Arbeitsbedingungen für die eigene Belegschaft) als auch bei der Kooperation mit den Handelspartnern.

Wie läuft das Garantiesystem ab?

Das neue WFTO-Garantiesystem besteht aus mehreren Komponenten: u.a. einer ausführlichen Selbstauskunft („self assessment“) und einem externen Audit. Zur besserem Rückverfolgbarkeit der Materialien bei Handwerk bzw. der Rohstoffe bei Lebensmitteln hat die WFTO zusätzlich zu den zehn WFTO-Prinzipien die neue Sektion Lieferketten-Management („Supply Chain Management“) eingeführt.
Darüber hinaus müssen alle Mitglieds-Organisationen ein eigenes internes Monitoring-System aufbauen für die Zulieferer/ Produzentengruppen, die nicht durch ein von der WFTO anerkanntes Kontrollsystem überprüft werden (z.B. Fairtrade International, Naturland Fair).

Was ist das Besondere am WFTO-Garantiesystem?

Es überprüft die Mitglieds-Organisation in ihrer Gesamtheit und bescheinigt ihr mit dem Label, dass die Organisation an sich fair ist. Da also die Organisation als solche fair ist, kann das Organisations-Label auch für alle Produkte der Organisation (Handwerk und Lebensmittel) genutzt werden. Sie können folglich – wenn gewünscht – mit dem neuen WFTO-Label ausgezeichnet werden.

Wird die GEPA das WFTO-Label auf ihren Produkten führen?

Nein. Die GEPA erfüllt zwar alle Anforderungen und dürfte das neue WFTO-Label auf ihren Produkten abdrucken. Sie möchte aber ihrer fair+Strategie treu bleiben und verzichtet aus diesem Grund darauf: Mit viel Zeit und Kraftaufwand ist es gelungen, die GEPA als unverwechselbare Marke zu etablieren. Dies war nur möglich durch die Unterstützung der Aktiven in Weltläden und Aktionsgruppen, den Handelspartnern sowie den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Obwohl das WFTO-Label nicht auf GEPA-Produkten abgebildet ist, werden wir es in unserer übergreifenden Unternehmenskommunikation verwenden, um uns damit als Fair Handelsorganisation zu positionieren. Die Bedeutung des WFTO-Labels und anderer Siegel steht für uns dabei außer Frage – denn sie belegen die Transparenz und Glaubwürdigkeit der GEPA. Darauf weisen wir immer wieder ausführlich in unserer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit hin.

 

Gibt es andere Monitoringsysteme?

Weltläden haben ihre eigenen Kriterien für den Fairen Handel erstellt („Konvention der Weltläden“), wobei die Standards in dieser Konvention in großen Teilen mit den Prinzipien der WFTO übereinstimmen. Der Weltladen-Dachverband hat ein standardisiertes Anerkennungsverfahren für Weltladen-Lieferanten sowie ein Monitoring-Verfahren für die Mitglieds-Weltläden entwickelt. Das Monitoring basiert auf einem umfangreichen Selbstauskunftssystem und dient der Qualitätssicherung der Arbeit in den Weltläden. 2014 wurde dieses Monitoring weiterentwickelt und an das WFTO-Garantiesystem angelehnt. Teilnehmende Weltläden, die bestimmte Mindestkriterien erfüllen, dürfen nun das WFTO-Logo (eingebettet in das sogenannte Weltladen-/WFTO-Emblem) für ihre Außenkommunikation nutzen.

Auf der Ebene der EFTA (European Fair Trade Association), einem Zusammenschluss von acht großen europäischen Fair-Handels-Importeuren (Stand: 2015), gibt es ein eigenes Monitoringsystem auf der Basis der WFTO-Standards. Das arbeitsteilig durchgeführte EFTAMonitoring erleichtert den Arbeitsaufwand für die beteiligten Importorganisationen und ihre Handelspartner. Es ermöglicht auch die Zusammenarbeit mit Produzentenorganisationen, die nicht über eines der Fair Handels-Zertifizierungssysteme kontrolliert werden bzw. kein WFTO-Mitglied sind.

 

 

FLO-CERT
FAIRTRADE Gütesiegel – was steckt dahinter?


Interview mit Rüdiger Meyer, dem Geschäftsführer der FLO-CERT GmbH
„So wenig populär Kontrollen auch sein mögen, so wichtig sind sie, damit wir jederzeit
nachweisen können, dass das Geld an die richtige Adresse kommt.“

Frage: Wie viele Kooperativen wurden bisher geprüft? (Wie viele Prüfberichte
wurden erstellt?)
Derzeit sind rund 1000 Produzentenorganisationen FAIRTRADE zertifiziert. In 2009 wurden
85 Prozent dieser Organisationen von FLO-CERT-InspekorInnen inspiziert. Die Hauptgründe
für eine Nicht-Inspektion waren Naturkatastrophen und andere Ereignisse höherer Gewalt.


Frage: Wie viele Inspektoren sind im Einsatz und wie oft werden die Kooperativen
besucht?
Die Inspektionen werden von mehr als 130 hoch qualifizierten FLO-CERT-InspektorInnen
durchgeführt, von denen sich 110 speziell der Überprüfung der Produzentenorganisationen
widmen. Alle Produzentenorganisationen werden jedes Jahr einmal inspiziert. Im neuen
FLO-Zertifizierungs-Gebührensystem ist vorgesehen, dass, wenn eine Produzentengruppe
die FLO Standards zwei Jahre hintereinander erfüllt, sie im dritten Jahr eine
„Beobachtungsinspektion“ erhält. Diese dauert viel kürzer und ist damit weit
kostengünstiger und weniger zeitintensiv für die Kooperativen. Das bedeutet, dass die
Produzentengruppen Geld sparen können und schafft gleichzeitig Anreiz, den FLOStandards
zu folgen.


Frage: Wie viel Prämiengeld wird jährlich an die FAIRTARDE ProduzentInnen gezahlt?
Und wer kontrolliert das?
Jährlich werden im FAIRTRADE System weltweit Prämien von den Importeuren an die
Produzentenorganisationen gezahlt, zum Beispiel 1.281.046,10 Euro in 2005 für Tee. Um
eine ordnungsgemäße und zweckgerechte Verwendung dieser Gelder sicherzustellen, sind
wirksame Kontrollen unumgänglich. Daher gibt es im FAIRTRADE System genaue Vorgaben,
wie und wie viel zu kontrollieren ist. Dies reicht von der Auswahl der zu kontrollierenden
Produzentenorganisationen bis zur Vorgehensweise bei der Kontrolle vor Ort. Durchgeführt
werden die Kontrollen von hoch qualifizierten FLO-CERT-InspektorInnen. Alle
InspektorInnen müssen jedes Jahr ein einwöchiges Ausbildungsprogramm absolvieren, das
mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Die InspektorInnen haben ihren Sitz vor Ort
(entweder im Prüfungsland selbst oder in einem benachbarten Land) und sind mit den
örtlichen kulturellen, gesetzlichen und sprachlichen Gegebenheiten vertraut.


Frage: Wie lange hat man eine Chance, unter dem Deckmantel der Zertifizierung
nicht fair getradet zu agieren?
Frage: Was passiert genau, wenn die FLO Standards nicht eingehalten werden?
Bei Mängeln wird die Organisation/das Unternehmen nicht ins FLO-CERT System
aufgenommen, bzw. werden Korrekturmaßnahmen ausgesprochen. Werden diese nicht
innerhalb von maximal drei Monaten umgesetzt, kann eine Produzentenorganisation
zunächst suspendiert und nach 9 Monaten dezertifiziert bzw. einem Unternehmen die
Lizenz entzogen werden.


Frage: Wie entstand das FAIRTRADE-Zertifizierungssystem und was ist das Ziel?
FLO ist der weltweit größte Dienstleister für Sozialzertifizierung und garantiert, dass
Produkte mit dem FAIRTRADE Gütesiegel überall auf der Welt genau festgelegten Fair
Handels-Kriterien und –Standards entsprechen. 1997 schlossen sich 14 nationale
Siegelinitiativen, darunter TransFair Deutschland, zusammen, um alle ihre auf die
ProduzentInnen ausgerichteten Aktivitäten zu koordinieren. Aus diesem Zusammenschluss
entstand die Fairtrade Labelling Organizations International, kurz FLO, eine internationale
Organisation mit Sitz in Bonn. Heute sind 20 nationale Siegelinitiativen Mitglieder dieser
Organisation. FLO besteht aus der Organisation FLO e.V. und der unabhängigen
Zertifizierungsstelle FLO- CERT GmbH.
Um die Unabhängigkeit der Kontrollen zu garantieren, wurde 2003 die Zertifizierungs-
Organisation FLO-CERT GmbH gegründet. Damit zusätzlich die größtmögliche Transparenz
der Zertifizierungsmaßnahmen, und somit ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und
internationaler Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet werden kann, erfüllt FLO-CERT die
internationale Qualitätsnorm für Zertifizierungsorganisationen ISO 65.


Frage: Was machen FLO e.V., FLO-CERT und die Fairtrade-Lizenzgeber?
FLO e.V. entwickelt die FAIRTRADE-Standards und lässt sich dabei von einem Gremium aus
ProduzentInnen, HändlerInnen und EntwicklungsexpertInnen beraten. Die Standards und
die darin enthaltenen Mindestpreise werden regelmäßig überprüft. Überdies unterstützt
und begleitet FLO e.V. die ProduzentInnen in Afrika, Lateinamerika und Asien zusammen
mit den lokalen BetreuerInnen vor Ort.
FLO-CERT GmbH ist zuständig für die Zertifizierung von Produzentenorganisationen und
HändlerInnen sowie die Registrierung von LizenznehmerInnen. Es kontrolliert die
Einhaltung der Standards in Zusammenarbeit mit InspektorInnen sowie mit Organisationen,
die Inspektionen für FLO-CERT durchführen. Bei Mängeln wird die Organisation / das
Unternehmen nicht ins FLO-CERT System aufgenommen, bzw. werden
Korrekturmaßnahmen ausgesprochen. Werden diese nicht innerhalb von maximal drei
Monaten umgesetzt, kann eine Produzentenorganisation zunächst suspendiert und nach 9
Monaten dezertifiziert bzw. einem Unternehmen die Lizenz entzogen werden.
Je nach Land, in dem Produkte mit dem FAIRTRADE Gütesiegel verkauft werden,
kontrollieren entweder die FAIRTRADE-Lizenzgeber oder FLO-Cert die entsprechenden
Unternehmen (Großhändler, Einzelhändler, Alternativhandelsorganisationen). In
Deutschland melden die LizenznehmerInnen vierteljährlich ihre Verkaufsabschlüsse für
Fairtrade-Produkte an FLO-CERT. Diese Zahlen werden mit den eigenen Daten von FLO3
CERT abgeglichen. Unabhängige Wirtschaftsprüfer führen zusätzlich stichprobenartig
jährliche Kontrollen durch (Bestellmengen, Verbrauch, Lager). Dem Lizenzvertrag
entsprechend ist diesen Wirtschaftsprüfern Einsicht in die Bücher zu gewähren.
Diese unabhängigen Kontrollmechanismen stellen sicher, dass die FAIRTRADE-Standards
eingehalten werden. So kann FAIRTRADE dafür bürgen, dass jedes Produkt, das ein
FAIRTRADE Gütesiegel trägt, auch wirklich zu FAIRTRADE Konditionen produziert wurde.


Frage: Wie ist die Unabhängigkeit gewährleistet?
Um die Glaubwürdigkeit des FAIRTRADE Gütesiegels zu garantieren, verwendet FLO-CERT
ein unabhängiges, transparentes und international vereinheitlichtes Zertifizierungssystem,
das den Erfordernissen von ISO 65, der internationalen Qualitätsnorm für
Zertifizierungsinstanzen, entspricht. FLO-Cert ist zudem als Organisation ISO 65
akkreditiert. Die ISO 65 Akkreditierung ist das Akkreditierungssystem mit der breitesten
Anerkennung und wird von den meisten anderen Zertifizierungssystemen, wie zum Beispiel
im Biobereich, eingesetzt.
Obwohl die FLO-CERT-Gesellschaft zu 100 Prozent Eigentum der FLO e.V. ist und dieselben
Zielvorstellungen hat, agiert sie als Zertifizierungsstelle völlig autonom und unabhängig.
· FLO-CERT hat eigenes Personal, eine eigene Geschäftsleitung und eine/n eigene/n
GeschäftsführerIn. Die MitarbeiterInnen werden auf Grund ihrer Kompetenz
ausgewählt. Die FLO-CERT-InspektorInnen, denen die Überprüfung der
Produzentenorganisationen obliegt, haben Ihren Sitz in den Ländern des Südens. Sie
werden auf Grund ihrer Kenntnisse und Erfahrung mit Prüfverfahren für die
Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards eingestellt.
· FLO-CERT verfügt über ein völlig autonomes Informationsmanagementsystem. FLO
e.V. oder seine Mitglieder (die nationalen Siegelinitiativen) können nur mit
Zustimmung der zertifizierten ProduzentInnen und HändlerInnen auf einschlägige
Informationen zugreifen.
· Die Zusammensetzung des Führungsgremiums der FLO-CERT-Gesellschaft
entspricht den Regeln für die nach ISO 65 akkreditierten Zertifizierungsinstanzen
und hat eine ausgewogene Mitgliederstruktur. Im Führungsgremium sind die
wichtigsten Stakeholder, wie z.B. zertifizierte Fairtrade-Unternehmen,
KonsumentenvertreterInnen und unabhängige ZertifizierungsexpertInnen, vertreten.
· Ein unabhängiger Zertifizierungsausschuss tritt alle zwei Monate zu einer Sitzung
zusammen, um FLO-CERT in Sachen Zertifizierungsentscheide und -grundsätze
anzuleiten und um einen Überblick über die konkreten
Zertifizierungsentscheidungen zu gewinnen. Die Mitglieder sind nicht mit denen des
Führungsgremiums identisch, aber die Zusammensetzung weist eine vergleichbare
Stakeholderstruktur auf.


Frage: Gibt es andere ethische Zertifizierungssysteme, die billiger sind?
In den letzten Jahren sind verschiedene neue ethische Zertifizierungsprogramme
entstanden. Diese Initiativen stellen wichtige und wertvolle Bemühungen zur Förderung
nachhaltiger Landwirtschaft zum Nutzen von ProduzentInnen und der Umwelt dar, aber
keine verpflichtet sich zu so umfassenden Sozial- und Umweltkriterien, wie dies im
FAIRTRADE-Zertifizierungsprozess der Fall ist.
FLO ist die größte und am meisten anerkannte Standardisierungs- und
Zertifizierungsorganisation für zertifizierte Produkte aus dem Fairen Handel. FLO-CERT ist
auch der einzige unabhängige Zertifizierer, der seiner Tätigkeit die ISO 65 Normen zu
Grunde legt.


Frage: Was machen die InspektorInnen vor Ort und wie wird im Detail sichergestellt,
dass es z.B. keine Schwarzarbeit in Erntezeiten gibt?
Allgemein: Die Methodik der Prüfverfahren ist auf die Evaluierung von FAIRTRADEStandards
abgestellt. Die Zeit, die ein Inspektor bzw. eine Inspektorin vor Ort verbringt,
hängt von der Größe und der Komplexität der jeweiligen Produzentenorganisation und von
der Anzahl der zertifizierten Produkte ab, die sie verkaufen möchte. Eine FAIRTRADEInspektion
kann zwischen vier und fünf Tage für eine kleine Produzentenorganisation und
bis zu sechs oder sieben Wochen für die größten Produktionsgenossenschaften dauern.
Keine Produzentenorganisation kann ohne eine Erstinspektion vor Ort zertifiziert werden.
FLO-CERT verwendet ein Gruppen-Zertifizierungsmodell, bei dem die Zentralorganisation
und eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Stichprobe von Einzelbetrieben inspiziert
werden. Die Stichprobe wird nach der Quadratwurzelmethode erstellt, dem
Standardverfahren für Gruppenzertifizierungen.
Konkret: Aufgabe als InspektorIn ist es, festzustellen, ob die überprüfte
ProduzentInnenorganisation die FLO-Kriterien einhält, so dass die KonsumentInnen sicher
sein können, mit dem Kauf eines fair gehandelten Produktes die Arbeiter und Bauern in
den Ländern des Südens auch tatsächlich zu unterstützen und sie in ihrer wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung zu fördern. Beispiele für Fragen, die im Rahmen einer Inspektion
beantwortet werden müssen, sind:
1. Leistet der Faire Handel einen Entwicklungsbeitrag für die Organisation?
2. Besteht die Organisation tatsächlich aus KleinproduzentenInnen?
3. Ist die Gruppe demokratisch organisiert? Können die Mitglieder mitbestimmen, gibt es
demokratische Statuten? Gibt es eine Hauptversammlung, in der die Mitglieder
Informationen darüber erhalten, was in der Organisation abläuft, und auf der sie die
Möglichkeit haben, ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zum Ausdruck zu bringen?
4. Nehmen die Mitglieder an Sitzungen teil?
5. Wie steht es mit der Transparenz in der Organisation? Werden die Jahresabschlüsse und
Pläne der Organisation von den Mitgliedern genehmigt? Gibt es einen ausreichenden
Informationsfluss von der Organisationsleitung zu den Mitgliedern?
6. Gibt es irgendeine Form von Diskriminierung in der Organisation? Bestehen Programme
zur Förderung von Minderheiten und ihrer Mitwirkung in der Organisation?
7. Wird die Fairtrade-Prämie tatsächlich für das gemeinschaftliche Wohl der Organisation
eingesetzt? Ist ihre Verwendung von der Hauptversammlung genehmigt worden? Gibt es
einen General- und einen Finanzplan für die Verwendung der Prämie und sind diese
Pläne von der Hauptversammlung genehmig worden? Ist diese Verwendung auch
ausreichend dokumentiert?
8. Ist die überprüfte Organisation in der Lage, Exporte durchzuführen? Verfügt sie über
die dafür notwendigen Kommunikations- und Transporteinrichtungen? Hat sie, wenn
erforderlich, Zugang zu einer Verarbeitungseinrichtung? Besitzt sie selbst eine
Exportlizenz oder eine Verbindung mit einem lizenzierten Exporteur? Hat sie ein
Produkt, das die nötige Exportqualität aufweist? Besteht überhaupt eine Nachfrage
nach diesem Produkt? Hat die Organisation die volle Verfügungsgewalt bei der
Durchführung ihrer Exporte?
9. Verbessert die Organisation laufend ihre Wirtschaftskraft? Erwirtschaftet sie die für
den laufenden Betrieb notwendigen Mittel und verringert damit ihre Abhängigkeit von
der Fremdfinanzierung? Wie steht es mit der Ausbildung der Mitglieder? Bietet die
Organisation Ausbildungsmöglichkeiten an?
10. Setzt die Organisation Kinder- oder Zwangsarbeit ein?
Bei Organisationen, die eine eigene Verarbeitungseinrichtung oder eine Plantage
besitzen, wird ermittelt, ob die Arbeiterrechte eingehalten werden, ob die ArbeiterInnen
eine anständige Entlohnung auf Grund von gesetzlich bindenden Arbeitsverträgen
erhalten, ob sie das Recht haben, einer Gewerkschaft beizutreten, einen Betriebsrat zu
bilden und kollektiv mit den ArbeitgeberInnen zu verhandeln, ob ihnen die
entsprechenden Werkzeuge und Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt werden und ob
ihre Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet ist.


Frage: Wie werden neue Kooperativen geworben bzw. ausgewählt? Und wie lange
dauert die Aufnahme ins System?
Im ersten Schritt muss die Organisation die FAIRTRADE-Standards für ihr Produkt genau
studieren und feststellen, ob sie die Mindestanforderungen einhalten kann. Wenn das der
Fall ist, kontaktiert sie FLO und fordert per E-Mail einen Beitrittsantrag an. Es gibt für
jedes Produkt und für jede Organisationsform unterschiedliche Antragsverfahren, abhängig
davon, ob es sich z.B. um eine Organisation ersten Grades (bestehend aus nur einer
juristischen Person) oder um eine Organisation zweiten Grades (bestehend aus mehr als
einer juristischen Person) handelt.
Nachdem der Antrag ausgefüllt und der FLO-CERT GmbH zugesandt worden ist, überprüft
diese, ob der Antragsteller tatsächlich den Mindesterfordernissen entspricht, und ob eine
Nachfrage für das Produkt besteht. Nach dem positiven Abschluss dieser Voruntersuchung
kann FLO-CERT zusätzliche Unterlagen anfordern und schickt der Organisation schließlich
eine Rechung über die Beitrittsgebühr zu (Initial Certification Fee). Nach Eingang der
Zahlung ist die Organisation für die erste Inspektion bereit. Wenn diese Inspektion
bestätigt, dass die Organisation die Mindestanforderungen der FLO erfüllt, ist die
Wahrscheinlichkeit, dass sie auch tatsächlich zertifiziert wird, sehr hoch. Die endgültige
Entscheidung darüber trifft allerdings das FLO-Cert-Zertifizierungskomitee. Wenn eine
Organisation den Mindestanforderungen noch nicht gerecht wird, werden ihr die
Vorbedingungen für die Erlangung einer Zertifizierung zugestellt.


Frage: Warum verrechnet FLO-CERT den ProduzentInnen eine Gebühr?
FLO-CERT hat 2004 ein Gebührensystem für die ProduzentInnen eingeführt, um die
Effizienz bei ihrer Zertifzierung zu verbessern, die Kosten der Inspektionen abzudecken
und den ISO Standards für Zertifzierungsinstanzen (ISO 65) zu entsprechen. Dieses System
ist dem für die Bio-Zertifzierung geltenden nachgebildet und garantiert die Unabhängigkeit
des Zertifizierungsprozesses.
In den Anfangsjahren der FAIRTRADE-Zertifizierung wurde den ProduzentInnen nichts für
die Zertifizierung verrechnet und die damit verbundenen Kosten über die Gebühren für
VerarbeiterInnen und HändlerInnen subventioniert. Wegen der vielen Anträge von
ProduzentInnen und der ständig steigenden Kosten der Zertifizierung, sah sich FLO-CERT
gezwungen, ein Gebührensystem einzuführen, einerseits um den Rückstau bei den
Anträgen abzuarbeiten und andererseits um die notwendigen Nachinspektionen der ständig
steigenden Zahl von zertifizierten bäuerlichen Betrieben durchführen zu können. Durch die
Einführung des Gebührensystems war es FLO-CERT möglich, die Qualität und das Timing bei
den Inspektionen und der Zertifzierung für ProduzentInnen zu verbessern. Viele
Produzentengruppen sind zur Überzeugung gekommen, dass die Ausgaben für die
Zertifizierung eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Investition darstellen, weil sie ihnen
den Zutritt zu den FAIRTRADE-Märkten mit ihren höheren Preisen ermöglicht.
Bei den Inspektionsgebühren wird versucht, einen Ausgleich zwischen den Kosten für ein
strenges, effizientes und transparentes Zertifzierungssystem und den Bedürfnissen der
Kleinbauernfamilien zu schaffen. Daher hat die FLO-CERT für kleine Produzentengruppen,
für welche die Gebühren ein Hindernis beim Eintritt ins FAIRTRADE-System darstellten, ein
Zuschusssystem entwickelt, über das bis zu 75 Prozent der Zerifizierungskosten abgedeckt
werden können. ProduzentenInnen, die einen Antrag für einen solchen Zuschuss stellen
wollen, können sich an fund@fairtrade.net wenden.